Ressortleiter Datenjournalismus bei SPIEGEL ONLINE: Marcel Pauly. Bildcredits: Privat.

Marcel Pauly (SPIEGEL ONLINE) und der Datenjournalismus

„Die datengetriebene Recherche ermöglicht es, Fragen zu beantworten, auf die es sonst keine Antwort gäbe“

| | Journalismus

Im Zuge des Media Innovation Buzz werden talentierte Media Worker namhafte Unternehmen wie Google, NOZ und mh:n Medien, SPIEGEL, XING und ZEIT besuchen und Einblicke in deren Innovationsprozesse erhalten. Einer der Gastgeber ist Marcel Pauly, Ressortleiter Datenjournalismus bei SPIEGEL ONLINE, der gemeinsam mit seinen Kollegen die Themen Datenjournalismus, Innovationsstrategie und Football Leaks präsentieren wird. Im Vorfeld der Innovations-Bustour haben wir uns mit ihm über das Ressort Datenjournalismus und Projekte, die diesem Bereich zuzuordnen sind, unterhalten. Christina Elmer, Mitglied der Chefredaktion von SPIEGEL ONLINE, gab schon einmal einen Ausblick auf den Media Innovation Buzz.

Ob die Visualisierung von Wahlergebnissen, die Strukturierung und Aufbereitung von riesigen Datenmengen oder auch das Analysieren von selbst erhobenen Daten: Datenjournalismus ist äußerst vielfältig und findet in den verschiedensten Themenbereichen Anwendung. Gerade in der heutigen Zeit, in der Unmengen von Daten versendet, geteilt und gespeichert werden, gewinnt der Datenjournalismus zunehmend an Bedeutung. Komplexe Zusammenhänge, die in Schrift oder Tabellenform nur sehr unübersichtlich darzustellen sind, können dank dieser neuen Form des Journalismus viel verständlicher aufgezeigt werden. Eine Entwicklung, die auch der SPIEGEL wahrgenommen hat, wie Marcel Pauly, Ressortleiter Datenjournalismus bei SPIEGEL ONLINE, verrät: „Die datengetriebene Recherche ermöglicht es, Fragen zu beantworten, auf die es sonst keine Antwort gäbe und auf Geschichten zu stoßen, die bislang unerzählt sind. Mit Datenvisualisierungen können solche Geschichten zudem anders präsentiert werden als bisher. Gerade online können wir Themen viel persönlicher erfahrbar machen.“

Laut Pauly sei das Experimentieren mit Erzählformen für den Erfolg solcher Formate essenziell. Man müsse viel ausprobieren, mutig und kreativ sein, um auch Datenreihen, die auf den ersten Blick eher uninteressant erscheinen, clever zu verarbeiten. Ein Beispiel sei das SPIEGEL ONLINE-Projekt „Die Pendlerrepublik“, wie Pauly weiter ausführt: „Wir haben beispielsweise mit einem Datensatz der Bundesagentur für Arbeit gearbeitet, der für jeden Ort in Deutschland aufführt, von wo Arbeitnehmer einpendeln und wohin sie auspendeln. Klingt erst mal dröge, aber das Pendeln nimmt für viele Berufstätige einen nicht unerheblichen Teil ihres Tages in Anspruch. Deshalb wollten wir dieses Thema so persönlich wie möglich erzählen.“ Entstanden ist dabei ein personalisiertes Storytelling, bei dem die Nutzerinnern und Nutzer ihren Wohn- und Arbeitsort angeben können und dann ihre individuell zugeschnittene Geschichte bekommen: Wie viele Menschen pendeln dieselbe Strecke wie ich? Wie viele kommen mir entgegen und pendeln in meinen Wohnort hinein? Wie viel Zeit kostet uns das?

Ein Projekt, für das das Datenjournalismus-Team von SPIEGEL ONLINE mit dem ersten Platz des dpa-infografik award 2018 in der Kategorie Nachrichtliche Infografiken ausgezeichnet wurde. Ein weiteres Projekt, das für Aufsehen gesorgt hat, hatte den Prozess der Wohnungssuche zum Thema: „Um herauszufinden, ob Menschen mit ausländisch klingenden Namen auf dem Mietmarkt diskriminiert werden, haben wir gemeinsam mit Datenjournalisten des Bayerischen Rundfunks auf Tausende Wohnungsannoncen von Immobilienportalen reagiert. Die eine Hälfte unserer automatisiert verschickten Interessenbekundungen war unterzeichnet mit deutsch klingenden Namen wie Hanna Berg, die andere Hälfte mit Namen wie Ismail Hamed, die auf einen Migrationshintergrund schließen lassen. Das Ergebnis: Ismail hatte es viel schwerer, um überhaupt zur Wohnungsbesichtigung eingeladen zu werden, oft kam überhaupt keine Antwort“, so Pauly.

Datenjournalismus müsse demnach nicht immer nur durch das Einsammeln und Auswerten von Daten gekennzeichnet sein, er lasse sich auch aktiv gestalten. Genau das will der SPIEGEL den jungen Media Workern auch beim Media Innovation Buzz am 27. November vermitteln. Christina Elmer, Mitglied der Chefredaktion und bis vor Kurzem noch Teil des Ressorts Datenjournalismus bei SPIEGEL ONLINE: „Das Team Datenjournalismus gehört bei uns im Haus zu den jüngsten Ressorts, aber auch zu denen mit den meisten Schnittstellen zu anderen Bereichen. Das macht die Projekte besonders spannend, aber auch komplex. Interdisziplinäres Arbeiten gehört jedenfalls immer dazu, sowohl innerhalb des Teams als auch in der Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen. Davon berichten wir beim Media Innovation Buzz gern ausführlich und freuen uns sehr auf den Austausch! Und weil es im SPIEGEL noch viele weitere Andockstellen gibt, werden auch die Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen konkrete Möglichkeiten vorstellen, wie sich Interessierte beim SPIEGEL einbringen können.“

Wer beim Media Innovation Buzz dabei sein möchte, muss nun schnell sein: Denn am 15. November läuft schon die Bewerbungsphase aus.

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