KPI-Master beim HHLab: Miriam Richter. Fotocredits: Marc Schulz/HHLab

Miriam Richter über das Arbeiten im HHLab

„Innovation muss nicht immer ein riesiges Projekt sein, sondern ist auch im Kleinen möglich“

Miriam Richter ist als KPI-Master beim HHLab für Auswertungen, Statistiken und Umfragen verantwortlich und bringt in dieser Funktion Projekte und Ideen auf den richtigen Weg. Kurz vor ihrem Workshop beim scoopcamp 2018 haben wir mit ihr über Nutzerbedürfnisse, Chatbots und eine Klarnamenpflicht gesprochen.

Mit dem HHLab wollen Sie den digitalen Journalismus von morgen gestalten. Dabei stehen die Bedürfnisse der Nutzer im Mittelpunkt Ihrer Forschung. Wie sehen diese Bedürfnisse aus? Was will der Nutzer von heute?

DEN einen Nutzer gibt es unserer Meinung nach nicht. Im Moment führen wir in ganz Norddeutschland Interviews durch, die wir dann für eine Persona-Erstellung anhand von Sinus-Milieus nutzen. Bislang haben wir 24 Interviews geführt und zwei Personas erstellt: Markus für das liberal-intellektuelle Milieu und Alina für das adaptiv-pragmatische Milieu. Dadurch, dass wir diese Interviews selbst geführt haben, haben wir sehr lebendige Personas erstellen können. Diese Personas bleiben jedoch nicht starr. Wir werden sie ständig weiterentwickeln und je nach Projekt weiter in die Tiefe gehen. Zudem gucken wir uns an, welche Daten wir bereits haben und wie wir sie produktiver verwenden können. Dabei geht es vor allem darum, Komplexes zu reduzieren.

Welche Methoden wenden Sie für die Identifizierung von Nutzerbedürfnissen an?

Wir nutzen zum Beispiel Design Thinking und führen Jobs to be done-Interviews. Wir bauen Prototypen, mit denen wir dann losziehen und Menschen befragen, sei es in unserem Freundeskreis oder Fremde auf der Straße. Daraus gewinnen wir wertvolle Erkenntnisse, die wir dann in die Weiterentwicklung des Prototypen einfließen lassen. Das Business Model Canvas haben wir für ein e-Commerce-Projekt genutzt, um die Bedürfnisse nachvollziehen zu können. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Methoden, denn wir lernen ständig neue kennen. Das ist ein Grund, warum die Arbeit im Lab so spannend ist. Man lernt täglich dazu.

Sie haben vor Ihrer Tätigkeit beim HHLab als Community Managerin gearbeitet. Gerade im Journalismus sind diese Kommunikatoren doch unabkömmlich, um notorische Nörgler und Trolle in die Schranken zu weisen oder können Chatbots in Zukunft diese Rolle übernehmen?

Meine persönliche Meinung ist, dass die Auseinandersetzung mit Hatern und Trollen ein sehr wichtiger, aber nur ein kleiner Teil der Arbeit eines Community Managers ist. Der Großteil der User ist ja nicht auf Krawall gebürstet, sondern möchte sich mit anderen sachlich austauschen oder hat Fragen. Ich halte Chatbots in einigen Bereichen für sinnvoll, aber ich habe während meiner Arbeit als Communtiy Managerin erlebt, dass den Usern der persönliche Kontakt in die Redaktion sehr wichtig ist und sie es als etwas Positives wahrnehmen.

Anfang 2016 hat sh:z als einer der ersten deutschen Nachrichtenseiten die Klarnamenpflicht für Nutzer eingeführt. Hat die Regelung im Kampf gegen Online-Hetze etwas bewirkt?

Ja, auf jeden Fall. Die Quantität ist gesunken und die Qualität ist gestiegen. Es gab weniger Kommentare, dafür aber auch weniger, die gelöscht werden mussten. Die inhaltliche Qualität ist gestiegen. Es ist viel Arbeit, die Kommentare und die Klarnamenpflicht im Blick zu behalten, aber der Verlag war der Meinung, dass es sich lohnt. Es wurde sich beim Umbau der Kommentarfunktion bewusst gegen ein Abschalten entschieden, weil eine Diskussion über die relevanten Themen für eine Demokratie und die Meinungsbildung wichtig ist.

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