10 Erkenntnisse aus 2020

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2020: Ein Jahresrückblick

Unbestritten, dieses Jahr ist anders gekommen als erwartet – das gilt für viele von uns sicher privat als auch beruflich. Für die Content und Tech Branche war 2020 allerdings ein Beschleuniger und hat viele Zukünfte ins Hier und Jetzt geholt. Zum Abschluss des Jahres möchte ich daher noch einmal die zehn wichtigsten Themen und Erkenntnisse aus diesem Jahr mit euch teilen – und an einigen Stellen auch schon Neuigkeiten für das kommende Jahr ankündigen.

= Update für 2021

1.

Branchenübergreifende Innovation erschließt neue Content-Märkte

Dass gesellschaftliche Veränderungen, wie die durch die Corona-Krise herbeigeführten, neue Märkte für die Contentbranche schaffen können, zeigte 2020 unser Programm Content Foresight Health.

Als wir 2019 mit ersten Partnern wie dem Spiegel, Bauer Media und der Eppendorf AG gestartet haben, ahnten wir noch nicht, welche Relevanz das Thema 2020 bekommen würde. Gemeinsam haben die BKK VBU, der Carlsen Verlag und MaibornWolff schließlich – trotz Kurzarbeit und kurzfristiger Investstops – einen AR-Prototypen für die Bewegungsförderung von Kindern entwickelt. Ähnlich dem Gedanken eines Tamagotchis, können Kinder nach dieser Idee mit personalisierten Tier-Avataren interagieren und gleichzeitig etwas für ihre Gesundheit tun. Der Clou: Das Tier reagiert auf die bereitgestellten Gesundheitsdaten des Kindes und geht spielerisch auf diese ein.

Das strategische Überwinden von Unternehmens- und Branchengrenzen, wie wir es in unserem Programm Content Foresight betreiben, bleibt auch die nächsten Jahre entscheidender Erfolgsfaktor für erfolgreiche Innovationen.

Wer sich noch nicht mit Cross Innovation beschäftigt hat, hat beim Cross Innovation Lab Anfang 2021 mit meinen Kolleg*innen des Cross Innovation Hubs die Möglichkeit, wirtschaftlich tragfähige Lösungen zum wichtigen bzw. wichtigsten Thema Klima zu entwickeln, um die Negativ-Auswirkungen ihres Handelns zu verringern.

2.

Technologie als Treiber für das starke Zusammenwachsen der Branchen 

2021 werden wir in anhaltenden Zeiten der Isolation eine weiter steigende Beliebtheit und eine erfolgreiche Vermarktung von Live-Events sehen – das zeigen auch unsere Predictions 20/21. Live-Konzerte auf Streaming-Plattformen wie Twitch, in geschlossenen Kommunikationstools wie Zoom, virtuelle Treffen auf AltspaceVR sind für Viele Teil des neuen Normals. Wer sich noch nicht das Konzert von Travis Scott in Fortnite angesehen hat, sollte das Nachholen, um zu erleben, wie Musik-, Event-, Werbe- und Gameswelt zusammenwachsen.

Wenn Branchen zusammenwachsen, ist Schnelligkeit und vor allem Kreativität gefragt. In Hamburg existieren dafür die besten Voraussetzungen. Mit einem vielseitig besetzten nextMedia.Beirat bestehend aus 30 Expert*innen werden wir 2021 diese Prozesse gemeinsam weiter vorantreiben und sichtbar machen.  

3.

Technologie als Treiber für neue Erlebnisse

Technologien wie StyleGAN2 und GPT-3 haben uns 2020 ermöglicht, fotorealistische Bilder und glaubwürdigen Text zu erzeugen. Nicht nur Snapchat löst mit AR Begeisterung und Engagement bei GenZ und Millennials aus, Musik- und Filmerlebnisse können mit AR, VR, räumlichem Audio, GANs, LiDAR und Avataren neu interpretiert werden. Die Corona-Krise wird diese Entwicklung noch verstärken.

In unserem Inkubator MEDIA LIFT hat musicube dieses Jahr die Suche nach Musik revolutioniert. Das Start-up hat eine semantische Musiksuche entwickelt, mit der sehr „menschliche“ und nahezu beliebige Suchanfragen beantwortet werden können. So werden zum Beispiel Funktionen wie „spiele schnellen Rock mit meinem Lieblingsschlagzeuger“ möglich.

Unser Alumi-Team Curvature Games nutzt mittlerweile seine eigens entwickelte Technologie des “Redirected Walking” für „natural locomotion“ in VR und baut so nie da gewesene Games-Erlebnisse.

Technologie bedeutet auch immer Mut zum Ausprobieren und deswegen freue ich mich, dass wir in unserem Hamburger Prototyping Lab 2021 mit Technologiepartnern wie dem Hamburger KI-Zentrum ARIC, nextReality und den Hamburger Hochschulen, wie der HAW, der Uni Hamburg, der FH Wedel und der Hamburg Media School, herausfordernde Cases der Content- und Techbranche lösen können.

Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein unterstützt innovative, narrative Projekte vom 360 Grad-Video bis zur immersiven XR-Experience übrigens mit Zuschüssen bis zu 50.000 Euro pro Fördermaßnahme.

4.

Gewinner der Krise

Dass Technologieunternehmen die Gewinner der Krise sind, zeigen nicht nur die Aktienkurse der Techkonzerne, sondern auch die positiven Nachrichten aus der Hamburger Games-Branche.

Um aber auch die Independent Entwickler*innen stärker am Standort zu unterstützen, haben wir mit Gamecity Hamburg 2020 die Prototypen Förderung für die Hamburger Games-Branche wiederbelebt und unseren MEDIA LIFT Inkubator auch für Games-Entwicklung – GAMES LIFTadaptiert. 

Wir haben 2020 außerdem schnelle Hilfe für mutige Pivot-Projekte in der Krise angeboten. In unserem Fast Mover Förderprogramm hat Flip!, die neue Hamburger Bewegung für eine bessere Wirtschaft, durch journalistische Recherchen eine Community aus mündigen Verbraucher*innen organisiert und bündelt nun die Veränderungskraft.

5.

Der Mensch rückt 2021 endlich wieder mehr in den Mittelpunkt

Gesellschaftliche Fragen der Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion haben 2020 weltweit, insbesondere nach dem Mord an George Floyd, an Bedeutung gewonnen.

Auch Künstliche Intelligenz (KI) wird 2021 daher stärker mit der Debatte um Ethik und soziale Verantwortung verknüpft. „Vor dem Hintergrund der Klimakrise und sozialer Segregation werden Unternehmen erkennen, dass KI nicht das strategische Ziel sein kann, sondern sozialer und ökologischer Wohlstand. Diese Einsicht eröffnet neue Möglichkeitsräume für Produktideen und Geschäftsmodelle. Organisationen werden ihren Fokus in der KI-Entwicklung nicht darauf setzen was technisch möglich, sondern was gesellschaftlich wünschenswert ist.“, meint auch Katrin Fritsch vom MOTIF Institute for Digital Culture in unseren Predictions 20/21.

Die New Music Friday-Wiedergabeliste von Spotify, die mittlerweile als karriereverändertes Moment der Musikbranche gilt, ist nur ein Beispiel dafür, wie wichtig menschliche Kompetenzen bleiben. Diese Widergabeliste wird nämlich vollständig von Menschen kuratiert – es sind keine Spotify-Algorithmen erforderlich.

Bei allen Möglichkeiten, die uns Technologie auch besonders in 2020 ermöglicht hat, wird 2021 das Jahr, in dem wir bedeutende Schritte in Richtung Regulierte Technologie machen werden. Was 2020 begonnen hat, wird 2021 weitergehen und sich deutlicher als Konfrontation herausarbeiten: der Streit um die Regulierung von Big Tech. Die kürzlich von der EU vorgelegten Regelwerke (Digital Markets Act und Digital Services Act) werden 2021 weitere Wirkung entfalten. 

6.

Conversion-Erfolge durch die Crowd

2020 war auch das Jahr, in dem die New York Times mit Digital-Abos mehr umsetzte als im Print. In einer Reihe von Ländern, darunter in den USA 20% (+4) und in Norwegen 42% (+8), konnte der Reuters Digital News Report einen deutlichen Anstieg der Zahlungen für Online-Nachrichten zeigen. Allerdings sind die meisten Menschen immer noch nicht bereit für Online-Nachrichten zu bezahlen – auch, wenn einige Verlage 2020 einen „Coronavirus-Bump“ gemeldet haben.

Verlage diversifizieren ihre Erlösmodelle aber zunehmend. Von den mehr als 20 Millionen Unique Usern pro Monat auf SPIEGEL.de, haben sich rund 17.200 für ein sogenanntes PUR-Abo entschieden und lesen derzeit werbefrei. Hier tut sich gerade neben dem anhaltend starken Wachstum von +-Angeboten und dem klassischen, unter Druck geratenen digitalen Werbemarkt, also eine neue Erlösquelle auf. Mitte Dezember hat auch Steady einen großen Meilenstein erreicht, denn die Mitglieder der Plattform haben insgesamt 10 Millionen Euro an Steady-Verlage gezahlt. Die Menschen sind zunehmend bereit, ihre Lieblingsprojekte finanziell zu unterstützen, was wiederum immer mehr Medienschaffende und Künstler*innen dazu ermutigt, auch anderen Finanzierungswegen zu folgen.

Tipp: In unserer nächsten nextMedia.Live Ausgabe #BeyondMembership kommen dazu im Februar 30 Expert*innen in ein methodisch organisiertes, gemeinsames Arbeiten.

7.

Covid hinterlässt weitreichende Folgen für Kultur- und Kreativwirtschaft

Die Corona-Pandemie hat für viele Akteur*innen  aus Kultur und Kreativwirtschaft besonders weitreichende Folgen. Bund und Länder haben zahlreiche Hilfsmaßnahmen aufgesetzt, um die wirtschaftlichen Auswirkungen für Selbständige und Unternehmen abzufedern.

Wir, die Hamburg Kreativ Gesellschaft und die Behörde für Kultur und Medien, haben z.B. die Hamburger Crowdfunding-Kampagnenförderung aufgelegt. Die Zuschüsse der Förderung dürfen für kreativwirtschaftliche Leistungen eingesetzt werden, die in der Hamburger Kreativwirtschaft in Auftrag gegeben werden.

Ein Beispiel: Der Südpol ist ein kollektiv organisierter Veranstaltungsort mit Fokus auf elektronischer Musik. Neben Partys bietet der Südpol diverse Kulturangeboten und neue Ideen abseits des Mainstreams, von Performances, Konzerten, Theater- und Filmvorführungen bis zu Lesungen und Ausstellungen. Dank der Crowdfunding-Kampagne konnte der Südpol mit der Fundingsumme von 113.791 Euro das gesetzte Ziel von 100.000 Euro sogar übertreffen und den Erhalt ihres Areals in Hammerbrook bis Ende des Jahres ohne das Ausführen von Veranstaltungen sichern.

8.

Zum ersten Mal Bundesförderung für privatwirtschaftliche Verlage

2021 wird die Bundesregierung zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik direkte finanzielle Förderung an den privatwirtschaftlich organisierten Journalismus vergeben. Bislang gab es das nur durch die Länder selbst, wie in unserem Krisenförderprogramm Fast Mover, oder durch die Förderungen der Technologieplattformen Facebook und Google. Die öffentliche Hand hat jetzt die Aufgabe, Projekte finanziell zu unterstützen, die das größte Potential haben, Journalismus auch in die Zukunft zu tragen – dazu zählen neben den Verlagen auch journalistische Start-ups, Einzelpersonen und Verbundprojekte.

Dennoch bleiben die Länder aufgefordert, Innovation besonders zu fördern. Deswegen haben wir uns entschlossen, 2021 ein neues Förderprogramm speziell für wirtschaftlich nachhaltige, innovative Journalismusprojekt ins Leben zu rufen und auch das scoopcamp 2021 stark auf Innovationen und die entsprechende Organisationsführung zuzuspitzen.

9.

Nachrichtenprodukte für unter 30-Jährige und die Bedeutung von Audio

Um für Deutschland belastbare Erkenntnisse über die Nachrichtengewohnheiten von unter 30-Jährigen zu gewinnen, hat Hamburg gemeinsam mit der dpa die bundesweite Initiativ #UseTheNews angestoßen. Basierend auf einer Grundlagenstudie, die gemeinsam mit dem Leibniz Institut Hamburg erhoben wird, arbeiten im News Literacy Lab zahlreiche namenhafte Projektpartner, basierend auf den Studienergebnissen, an neuen Nachrichtenangeboten. Außerdem startet eine neu gestaltete Bildungsinitiative, um gemeinsam mit Bildungsträgern die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz in Schulen zu stärken.

Umfragen  zeigen z.B., dass die unter 30-Jährigen besonders Audio-affin sind: Fast 100 % nutzen online Audio-Angebote zumindest selten. Bei 51 % der Nutzer*innen waren Podcasts das Einstiegsmedium für andere Informationsmedien, wie zum Beispiel Audiobooks oder E-Books. Wie gut, dass Hamburg rund um das Thema Audio so stark aufgestellt ist.

10.

Auch wenn dieser Text schon viel zu lang geworden ist, das Wichtigste fehlt noch

Vielen Dank an unsere großartigen Projektpartner und ihre mutigen Entwicklungen im Jahr 2020: DER SPIEGEL, Greenhouse Innovation Lab von Gruner + Jahr und der Mediengruppe RTL, Rudolf Augstein Stiftung, Jung von Matt/TECH, Eppendorf AG, nma, Steady, MaibornWolff, Rohrbeck Heger, Civey, StartNext, BKK VBU, Warner Music Germany, Zeit Online, Rocket Beans, Bauer Media, Carlsen Verlag, NOZ, Innogames, Ad Alliance, dpa, hostwriter uvm.

Sowie an unsere Hamburger Partnerhochschulen, geförderten Start-ups, Fach- und Organisationspartner*innen sowie Sponsor*innen und die zahlreichen Interviewpartner*innen, Speaker*innen, Moderator*innen und Multiplikator*innen.

Wir befähigen auch 2021 Akteur*innen der Medien- und Digitalbranche eine nachhaltige Wirtschaft zu gestalten und somit einen Beitrag zu einer demokratischen und zukunftsfähigen Gesellschaft zu leisten. 

Ich freue mich daher, zeitnah zwei neue Förder- und Innovationsprogramme detaillierter vorstellen zu können und bin gespannt auf 2021 – mit der wachsenden Content- und Techbranche in Hamburg!

Nina Klaß

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