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5 Insights vom newTV Kongress 2016

Jil Sörensen (Wissenschaftliche Mitarbeiterin Medienmanagement der Hamburg Media School) moderierte nicht nur das Panel "Next Generation - Experten treffen Jugendliche" auf dem newTV Kongress 2016, sondern hat für nextMedia.Hamburg außerdem die 5 Kernerkenntnisse des Tages zusammengefasst.

Tradition trifft Innovation – das stimmte zumindest für Location und Inhalte des newTV Kongress 2016. Während die ehrwürdige Handelskammer (1665 gegründet!) einen schönen Rahmen für die Veranstaltung geboten hat, waren die Inhalte durchweg innovativer Natur. Die Vorträge und Panel-Diskussionen waren mit vorausblickenden Experten besetzt, traditionell verhaftete Branchenvertreter suchte man vergeblich. Veranstaltung verpasst? Diese persönliche Übersicht stellt fünf wichtige Erkenntnisse des Tages zusammen.

1.    Beständig ist nur der Wandel
Die Fernsehbranche ist im Umbruch, darüber scheint Einigkeit zu herrschen. Klar, dass „Disruption“ und die Thesen von Clayton Christensen nicht fehlen dürfen. Keynote Speakerin Jette Nygaard-Andersen vom schwedischen Medienkonzern MTG macht den Wandel in ihrer Eröffnungsrede ganz deutlich. Stark veränderte Rahmenbedingungen und Anforderungen stellen immer eine Herausforderung für Unternehmensverantwortliche dar, die Musikbranche ist ein mahnendes Beispiel. Eine erfolgreiche digitale Transformation hängt laut Nygaard-Andersen jedoch von zwei Faktoren ab: erstens auch mal ein Risiko in Kauf nehmen und zweitens mit Unsicherheiten leben können. Denn nur eins ist gewiss: der Wandel.

2.    Raum für Innovationen
Wandel ist nicht nur negativ, denn gleichzeitig bieten sich jede Menge neue Handlungsspielräume und Chancen. Die Modern Times Group investiert beispielsweise in den Bereich E-Sports. Gaming hat sich längst aus der Nerd-Ecke in den Vordergrund gewagt. Das verdeutlicht auch das Projekt von Rocketbeans TV. Angefangen hat alles mit der MTV-Sendung GameOne, mittlerweile haben die fünf „Bohnen“ den erfolgreichsten Twitch-Channel Europas und den weltweit ersten und einzigen unabhängigen 24/7-Online-Sender ins Leben gerufen. Daniel Budiman gibt auf der Bühne Einblicke in Konzept und Geschäftsmodelle. Das Besondere ist die Community, die bei interaktiven Sendungen wie dem „Chat Duell“ (Abwandlung des „Familien Duells“) einbezogen wird. Die Fans sind es auch, die mit Abonnements und Merchandising-Käufen das Geld in die Kasse spülen. So besteht Rocketbeans nun schon aus über 70 Mitarbeitern, auch wenn das selbst bei den Verantwortlichen immer noch für ein leicht ungläubiges Kopfschütteln sorgt, wie Budi erzählt. Auf eine solche Erfolgsgeschichte wollen die jungen Entrepreneure im Startup-Panel sicherlich auch gerne eines Tages zurückblicken können. Gute Ideen sind definitiv dabei! Nicolas Chibac von SpiceVR erklärt mit seiner Prototyp-Drohne Spherie, was eigentlich die „God View“ ist und YouTuber Aaron Troschke (Hey Aaron!!!) zeigt mit Reachhero das Potential von Influencer-Marketing auf. Am Ende des Tages legt das Panel um „NewTV Trends“ noch einmal nach. Was definitiv hängen geblieben ist: „Wäre Wetten, das..? ein Joghurt gewesen, dann wäre es nicht so schnell abgesetzt worden.“ 

3.    Geld verdienen ist weiterhin möglich
Neue Ideen und Trends sind ja schon gut, mag der ein oder andere denken, aber kann man denn damit auch weiterhin Geld verdienen? Die guten Neuigkeiten: ja, kann man. Die weniger guten: Die Monetarisierung erfolgt auf anderen Wegen. Aki Hardarson von der Boston Consulting Group spricht von „skinny bundles“ statt von „fat packages“. Die US-Kabel- und Telefonanbieter machen es bereits vor. Und so ist es auch in Deutschland zukünftig nicht abwegig, dass die Bundesliga-Rechte nicht nur von einem Anbieter erworben werden. Dass Technologie und Distributionswege hier eine wichtige Rolle einnehmen werden, zeigt die Diskussionsrunde mit Vertretern von Zattoo und der Telekom. Aber vielleicht bekommen wir unsere Signale bald sowieso aus dem Weltall gesandt? Welcher Kanal auch gewählt wird, Daten werden mit Sicherheit relevant sein. Rudi Klausnitzer erklärt, warum das eigene Produkt so gut sein sollte wie ein Navi. Also alles paletti in Sachen Monetarisierung? Leider nicht ganz: Gegen Ad-Blocker und Ad-Fraud ist noch kein richtiges Gegenmittel gefunden. Nikolai Longolius zeigt mit einem einfachen, fiktiven Beispiel, wie Ad-Fraud im Netz funktionieren könnte – welch eine Abzocke. Positive News gibt es dann aber doch noch: Nur einer der vier Jugendlichen auf dem „Next Generation“-Panel hat einen Ad-Blocker installiert. Das hat wohl nicht nur Aaron Troschke gefreut. 

4.    Human Brands sind auf dem Vormarsch
Eine weitere Strategie zur Monetarisierung von Inhalten kann in der Etablierung von menschlichen Marken, also bekannten Köpfen als Identifikationsfiguren, gesehen werden. Während Jette Nygaard-Andersen noch für George Clooney schwärmt, sind die Jugendlichen eher von YouTube begeistert. Die Authentizität der Protagonisten ist für die jüngeren Zuschauer ausschlaggebend. Sie glauben an den Inhalt der Sendungen und mögen die direkte Ansprache von LeFloid. Aufwendigen Produktionen mit großen Teams stehen sie skeptisch gegenüber. Die Fokussierung auf einzelne Personen scheint jedoch nicht nur altersspezifisch zu sein, wie Dr. Johannes Wimmer zeigt. Der Arzt erklärt im Internet medizinische Phänomene und gibt konkrete Tipps, beispielsweise zur Vermeidung von Wadenkrämpfen beim Laufen. Neben Online-Videos ist Wimmer auch im linearen Fernsehen zu sehen, hat Bücher geschrieben und hält Vorträge. Dr. Johannes hat sich als Marke etabliert.

5.    Jugend im Fokus
Millenials und Digital Natives, Gen Y und Gen Z, Screenager und Generation Hashtag, egal wie man die junge Zielgruppe bezeichnet, das Interesse an ihnen ist ungebrochen. Unternehmensverantwortlichen, Content-Erstellern und Werbern scheint klar, dass hier das Potential der Zukunft liegt. Doch was wollen die Jugendlichen eigentlich? Das Problem an Jugendkultur ist, dass die Jugendlichen nicht wollen, dass man sie versteht. Originäre Eindrücke geben dann aber doch vier 12- bis 15-Jährige. Drei von ihnen haben zwar noch einen Fernseher, genutzt wird jedoch eher der Laptop, das Tablet oder das Smartphone. Die Unabhängigkeit vom linearen Fernsehen, Flexibilität und Glaubwürdigkeit werden geschätzt. Werbung und Produktplatzierungen stören nicht, sie werden teilweise sogar als Service angesehen. Für YouTube zu bezahlen, kommt nicht in Frage, bei guten Serienproduktionen sieht das schon wieder anders aus. Doch was heißt das jetzt für die Zukunft? Gewissheit bleibt tatsächlich nur bei einem: Beständig ist nur der Wandel.     

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