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„Austausch mit Startups aus anderen Bereichen sehr wichtig“

Im Interview: Melanie Taylor vom Games-Startup Osmotic Studios aus Hamburg über ihr Game "Orwell" und Networking.

Aller Anfang ist schwer; das wissen insbesondere Startups. Osmotic Studios ist ein junges dreiköpfiges Team von Spieleentwicklern und bringt mit „Orwell“ gerade sein erstes Spiel auf den Markt. Melanie Taylor, beim Startup für „Art & Business“ zuständig, erklärt im Gespräch mit nextMedia.Hamburg wie der Sprung von der Uni in die Selbständigkeit gelang und welche Rolle dabei andere Startups und Veranstaltungen von gamecity:Hamburg spielten.

Osmotic Studios befindet sich gerade in einer spannenden Phase und veröffentlicht zusammen mit Surprise Attack Games sein erstes vollwertiges Game. Worum geht es bei "Orwell"?

Melanie Taylor: Orwell ist ein "Privacy Invasion Thriller", bei dem es um Datenüberwachung geht. Das besondere an Orwell ist, dass der Spieler ähnlich wie im deutschen Stasi-Thriller „Das Leben der Anderen“ die Geschichte aus der Sicht des Überwachers erlebt, in dessen Rolle er selbst schlüpft. Das Spiel kommt daher wie ein fiktives Betriebssystem, wobei der Spieler Webseiten, soziale Netzwerke, Chat-Nachrichten und sogar Telefonate und private Geräte von Zielpersonen durchsucht, um Hinweise auf Zusammenhänge mit einem aktuellen Terroranschlag zu finden. Es ist eines der wenigen Computerspiele, das sich diesem wichtigen Thema widmet, welches seit den Snowden-Enthüllungen in den Medien immer präsenter wird.

Das Spiel wird als Freemium Serial vermarket. Die erste Episode ist frei spielbar, alle weiteren sind kostenpflichtig. Warum haben Sie sich für die sequenzielle Veröffentlichungsform und nicht etwa ein Bundle entschieden?

Melanie Taylor: Das war ein Ratschlag unseres Publishers, Surprise Attack Games. Als unbekannte, kleine Spielentwicklerschmiede ist es sehr schwierig, auf dem Markt Sichtbarkeit zu erlangen. Daher riet unser Publisher uns dazu, die erste Episode als kostenlose Demo zu veröffentlichen, um sowohl mehr Aufmerksamkeit zu erlangen, als auch die Hürde zum Kauf für den Spieler zu verringern. Dies scheint auch bisher recht gut zu klappen, da wir bereits positives Feedback von der Spielercommunity zum Demo-Release erhalten haben.

Sie haben schon während der Uni-Zeit als Trio zusammengearbeitet und Preise gewonnen. Wie sah die spätere Unterstützung der HAW bei der Professionalisierung und Unternehmensgründung aus?

Melanie Taylor: Sie sah sehr gut aus. Nach Ende unseres Studiums hatten wir noch gut 1,5 Jahre lang ein Büro im Gründungsservice der HAW, was uns sehr geholfen hat. Gerade zu Beginn der Gründung ist es wichtig, einen gemeinsamen Raum zu haben, um sich täglich zum Arbeiten zu treffen. Zusätzlich haben wir mithilfe der HAW eine sehr wichtige Förderung erhalten: Das Exist Gründerstipendium. Dieses hat uns maßgeblich dazu verholfen, das Spiel und die Technologie dahinter weiterzuentwickeln bzw. das Framework aufzubauen. Auch unsere ehemaligen Professoren unseres Masterstudiengangs "Games" haben uns stets unterstützt und mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

In Hamburg gibt es knapp 150 Firmen, die sich im weitesten Sinne mit Games beschäftigen, dazu mit der gamecity einen eigenen Branchen- und Servicedienstleister. Wie wichtig ist es, ein großes Netzwerk vor Ort zu haben?

Melanie Taylor: Sehr wichtig. Auch Stefan Klein von der gamecity:Hamburg hat uns während der Entwicklungszeit von Orwell mit Beratung unterstützt; insbesondere als es darum ging, einen Publisher für das Spiel zu finden. Aber einer der entscheidensten Networking Events war für uns war sicherlich die Indie Gameleon, bei der ich zusammen mit Christian Oeing von Slash Games, Oliver Redelfs von Red Elf Media und einigen anderen tatkräftigen Indie Entwicklern an der Organisation beteiligt war. Hierdurch entstand ein enger Kontakt zum Spielentwickler-Inkubator "Indietopia" aus Groningen, Holland. Dessen Gründer Mendel Bouman war auch der Gründer des Indie Gameleon Events und seine Mitstreiterin Shan Poon hat uns an einen ehemaligen Kollegen von ihr verwiesen, der mittlerweile bei Surprise Attack Games gearbeitet hat. So kamen wir dazu, einen Publisher von der anderen Seite des Globus' für Orwell zu finden, mit dem wir übrigens sehr gerne zusammen arbeiten.

Lernt man als junges Unternehmen auch von Startups aus anderen Bereichen oder bleibt für einen Austausch beim Gründertreff im betahaus einfach keine Zeit mehr?

Melanie Taylor: Beim Gründertreff waren wir zugegebenermaßen noch nicht. Allerdings sind wir regelmäßig beim Indie Treff im Betahaus, bei dem wir auch ab und zu mit organisieren. Es ist jedoch immer gut, über den Tellerrand zu blicken und sich auch ab und zu mal mit Gründern aus anderen Branchen zu unterhalten. Hierzu hatten wir im Büro der HAW tatsächlich mehr Gelegenheit, da dort Startups aus den Bereichen Lebensmittel, Filmdreh oder App-Entwicklung waren. Hier haben wir auch unsere guten Freunde von 6EARS kennengelernt, die uns vor allem in der Anfangsphase durch ihren Wissensvorsprung und ihre grenzenlos positive Ausstrahlung sehr geholfen haben. Deren App "audioguideMe" ist eine Art soziales Netzwerk für die Ohren, deren Nutzer ortsbezogene Geschichten hochladen können. Eine sehr schöne Idee und ein super Team. Wir können jedenfalls jedem Startup empfehlen, sich stets auch mit anderen Gründern auszutauschen.

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