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Fünf Fragen an zwei Macher des newTV Kongress'

Heute in sieben Wochen ist es wieder so weit: Dann steigt im Albert-Schäfer-Saal in der Handelskammer Hamburg der newTV Kongress. Die ganztägige Konferenz bietet spannende Einblicke in die Zukunft der Bewegtbild-Industrie unter dem Motto: „Business Innovation On Screen – Content. Technology. Distribution“.

Der newTV Kongress steigt am 21. März 2017 in der Handelskammer Foto: Richard Ohme

Kai Flatau Foto: Richard Ohme

Ralf Klassen

Zum hochkarätigen Speaker-Lineup auf dem Plenum gehören diesmal u.a. Chris Mead (Director of Partnerships for EMEA, Twitch), Raquel Bubar (Director T Brand Studio International, The New York Times), Cyrus Saihan (Head of Digital Partnerships, BBC) und Daniel Budiman (Host & Co-Gründer, Rocket Beans Entertainment).

Wir haben mit Kai Flatau (Anwalt) und Ralf Klassen (CONE) aus der newTV Focus Group gesprochen, die den Kongress für nextMedia.Hamburg organisieren – und sie gebeten, folgende fünf Fragen zu beantworten.

1.) Der Kongress steht unter dem Motto „Business Innovation On Screen“. Welches sind denn die entscheidendsten Innovationen der letzten Jahre/Monate im newTV-Bereich?

Kai Flatau: „Der Wettbewerb der Plattformen wird immer stärker, u. a. weil es immer mehr Anbieter für TV-Empfang gibt. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Angebotsseite für gute Inhalte. Die Vergabe der TV-Rechte für Olympia an Discovery, die verbreiterte Verteilung der Fußballliga-Rechte, die Übertragung der Handball WM und der jetzt aufbrechende Streit über die TV-Übertragung des Davis Cup zeigen beispielhaft, wie schnell und intensiv Veränderungen sein können. Zudem werden technische Features wie Zugriff auf Mediatheken, Zurückspulen im Live TV und netzgestützte Videorecorder die zeitunabhängige Nutzung von Linear-TV vorantreiben.“

Ralf Klassen: „Die letzten zwei Jahre haben für newTV den entscheidenden Durchbruch gebracht. Die digitale Disruption hat damit nun endgültig auch die mächtigste Medienbranche erfasst. Auch die großen Player, ob Sender, Produktionsfirmen oder Werbetreibende können das, was sich außerhalb ihrer traditionellen Kanäle abspielt, nicht mehr ignorieren – was viele von ihnen jahrelang trotzig versucht haben. Youtube und Twitch haben das junge Publikum mittlerweile fest im Griff, Netflix, Amazon, Dazn und Co. zunehmend die Gutverdiener. Und nun macht mit Facebook auch noch das Social Network Nummer 1 Konkurrenz um Sehdauerminuten, vor allem tagsüber und zunehmend live. Alles sehr spannend.“

2.) Wer profitiert von newTV-Trends und Entwicklungen wie Programmatic und Addressable TV? Inwiefern ist das womöglich eine Chance für kleinere Unternehmen?

Flatau: „Hier sind neue, maßgeschneiderte Lösungen gefragt. Da liegen die Chancen für innovative Unternehmen, sich ihren Anteil an den neu entstehenden Erlösmöglichkeiten zu sichern.“

Klassen: „Ich glaube, dass auch hier die großen Player am meisten profitieren, weil sie über genügend Knowhow und Geld verfügen, um sich auf diesem Platz durchzusetzen. Die werden ihre „Noch Zielgruppen“ noch tiefer und nachhaltiger erreichen. Da können kleinere Unternehmen nur mit Kreativität gegenhalten. Wer glaubt, als lokaler Autohändler mit einer Fotoshow in 20 Sekunden Werbeeffekte zu erzielen, sollte es lieber sein lassen.“

3.) 3D-Fernseher haben sich im Privatgebrauch nicht durchgesetzt. Glauben Sie daran, dass Virtual Reality erfolgreicher wird? Und wenn ja, wieso?

Flatau: „Zumindest scheint VR im Moment eine stärkere Aufmerksamkeit zu erhalten, als 3D zuvor. Die Scheu, eine Brille zu nutzen, ist offensichtlich gesunken. Und auch die Inhalte-Anbieter gehen verstärkt in die Entwicklung entsprechender Inhalte. Mit VR werden Bewegtbild-Angebote erlebbar und mehrdimensional. Mal sehen, was Cyrus Saihan von der BBC beim newTV Kongress zu sagen hat.“

Klassen: „3D hat es nach meiner Beobachtung ja selbst im Kino mit den riesigen Effektmöglichkeiten schwer. Im Wohnzimmer auf 46 Zoll konnte das nicht funktionieren. VR ist natürlich durch das geschlossene System da im Vorteil, aber so richtig kickt mich die Technik bisher auch noch nicht. Aber da ist deutlich mehr Potential als bei 3D.“

4.) Wie sieht Ihrer Meinung nach digitales Storytelling in der Zukunft aus?

Flatau: „Storytelling ist und wird immer mehr multichannel sein. Das heißt, der „Rohstoff“, der Inhalt/die Story, muss von vornherein für viele unterschiedliche Verbreitungswege aufbereitet werden, um an möglichst vielen Stellen möglichst viele Nutzer zu erreichen. Da muss man sehr genau wissen, was man an Inhalten und auf welchen Plattformen präsentieren kann.“

Klassen: „Hoffentlich wesentlich entspannter als bisher. Bislang kommen Storytelling-Projekte immer mit einer gewaltigen Bugwelle an Bedeutung und Budget daher. Dabei gibt es viel unkompliziertere und günstigere Methoden, spannende Dinge zu produzieren.“


5.) Auf welche Sprecher beim newTV Kongress sind Sie besonders gespannt?

Flatau: „Ui, sehr schwierig zu beantworten, da wir wirklich viele sehr gute Sprecher haben. Aber wenn ich wählen müsste, dann die Vertreterin der New York Times, die uns erklären wird, wie das so große und renommierte Printhaus digital und mit Bewegtbild erfolgreich ist. Und natürlich unsere Jugendlichen, die ihre Lieblingsapps vorführen und erklären werden, warum es die Lieblingsapp ist.“

Klassen: „Ich freue mich wirklich jedes Jahr auf alle Speaker, so auch diesmal. Aber bei den Vorträgen von Raquel Bubar (NYT) und Cyrus Saihan (BBC) werde ich nochmal extra aufmerksam zuhören. Und für meinen 16-jährigen Sohn ist Chris Mead von Twitch natürlich das absolute Highlight. Die Keynote muss ich darum definitiv aufnehmen.“

 

Tickets für Hamburgs größten Bewegtbild-Kongress gibt es hier.

 

 

New TV, Digital Storytelling, Virtual Reality