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Live-Streaming, Drohnen und Virtual Reality: Das ist ihr Potenzial für den Journalismus

Virtual Reality, Drohnen oder doch Live-Streaming: Welcher Trend hat wie viel Potenzial? Das beantwortet Professor Stephan Weichert im Interview.

Gegenwärtig wird im Journalismus viel über Trends diskutiert. Es ist noch vielfach unklar, welche Entwicklungen sich wirklich durchsetzen werden - und welche nicht. Welche Potenziale Virtual Reality, Drohnen und Live-Streaming für den Journalismus haben, erklärt Stephan Weichert, Professor für Journalismus und Digitale Kommunikation an der Hochschule Macromedia in Hamburg und wissenschaftlicher Studiengangleiter an der Hamburg Media School, im Interview.

Herr Weichert, Live-Streaming und Virtual Reality sind derzeit zwei große technologische Trends. Sind diese gleichwertig?

Beides sind derzeit zentrale Entwicklungen – auch für den Journalismus. Im Video-Live-Streaming wie mit Periscope sehe ich ein immenses Potenzial, aber die Konsequenzen sind erst in Ansätzen erkennbar. Noch ist unklar, was das mit uns als Gesellschaft, aber auch mit dem Journalismus macht. Auch bei Virtual Reality ist für mich noch nicht abschließend geklärt, wie sich der Journalismus darin einfügen wird.

Aber erste Projekte der Virtual Reality unter dem Stichwort „Immersive Journalism“ gibt es ja bereits.

Natürlich gibt es viele spannende Projekte, die 3-D-Gaming und First-Person-Effekte mit digitalen Avataren nutzen. Aber die meisten davon sind, was die publizistischen Ziele angeht, noch nicht wirklich ausgereift. Eines der wenigen Projekte, bei denen ich ein stimmiges publizistisches Ziel erkenne, ist „Project Syria“ von der Virtual-Reality-Expertin Nonny de la Peña vom Interactive Media Lab der University of Southern California. „Project Syria“ zeigt, wie Nutzer in eine virtuelle Welt ‚entführt‘ werden, zu denen sie keinen Zugang haben. Der Avatar wird unter anderem damit konfrontiert, dass eine Bombe im Zentrum von Aleppo explodiert und muss im Anschluss mehrere Aufgaben lösen. Er muss versuchen, mit der Flüchtlingskatastrophe  im syrischen Krisengebiet umzugehen. Anders als bei vielen anderen Experimenten erschließt sich hier der Mehrwert im Sinne einer journalistischen Berichterstattung sofort, es gibt wohl – auch im Hinblick auf Sicherheitsaspekte – keine angemessenere Technologie, um sich in Gefahrensituationen hineinzuversetzen. Virtual Reality und Newsgames verschmelzen hier zu etwas Neuem, das für den Journalismus noch ungeahnte Potenziale hat.

Wenn Sie in der Position wären, ein Startup zu gründen und sich zwischen Virtual Reality und Drohne entscheiden müssten – wo sehen Sie das meiste Potenzial?

Für mich ist eher die Verbindung von VR und Newsgames das derzeit spannendere Feld, weil ich glaube, dass spielerische Elemente im digitalen Journalismus in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle spielen werden. Einige Nutzer wollen stärker involviert werden und das nicht nur durch die Möglichkeit, Kommentare unter Artikeln schreiben zu können. Gerade bei jüngeren Usern ist zudem eine spielerische Hinführung an Informationen vielversprechend. Da müssen die Games-Branche und die publizierende Industrie aber noch stärker aufeinander zugehen. Bei Drohnen sehe ich die Entwicklung insofern abgeschlossen, als es ausgereifte Drohnen mittlerweile gibt, wobei deren Einsatz vor allem rechtlich noch ungeklärt ist. Für Startups ist das also juristisch vermintes Gelände und mit einem hohen Risiko behaftet.

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