sh:z zieht nach Hamburg: Chefredakteur Dreykluft über New Work, New Media & Co.

Seit 2013 ist Joachim Dreykluft Chefredakteur Online beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag. Mit nextMedia.Hamburg sprach er über den Aufbau der digitalen Zentralredaktion in Hamburg, Social-Media-Zwang und New-Work-Modelle.

Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag ist der auflagenstärkste Verlag in Schleswig-Holstein. Seit 2007 gehört ebenso eine täglich aktuelle Internetpräsenz dazu. Jüngst machte der Verlag mit der Ankündigung auf sich aufmerksam, dass in Hamburg eine digitale Zentralredaktion gemeinsam mit der Neuen Osnabrücker Zeitung entstehen soll. Wir haben mit sh:z-Chefredakteur Joachim Dreykluft über diese Pläne, Social-Media-Zwang und New-Work-Modelle gesprochen.

Die sh:z setzt sehr stark auf Social-Media-Kommunikation, was besonders bei den persönlichen Profilen Ihrer Redakteure auffällt. Passiert das aus eigenem Antrieb oder gibt es eine Art Facebook-und-Twitter-Pflicht bei Ihnen im Haus? Wie gehen Sie mit Netzwerkverweigerern um? Bieten Sie im Fall der Fälle Schulungen oder ähnliches an?

Wir haben bei uns im Haus eine Kultur, dass wir nicht nur sehr gerne für unsere Leserinnen und Leser arbeiten, sondern auch mit ihnen. Social Media ist hier ein sehr guter Kommunikationsweg für Fragen, Anregungen, Hinweise und auch Kritik. Wir machen das als Haus insgesamt, aber auch als einzelne Journalisten. Die allermeisten Kolleginnen und Kollegen sehen das genauso. Zwang ist deshalb nicht nötig und wäre auch kontraproduktiv. Wir haben mit Miriam Richter eine hervorragende Community-Managerin im Haus, die gerne und regelmäßig unterstützt und berät, auch vor Ort in den Lokalredaktionen.

Sie bzw. NOZ & sh:z bauen derzeit eine digitale Zentralredaktion in Hamburg auf. Was erhoffen Sie sich davon? Ist mit den „neuen Medien“ eine räumliche Distanz überhaupt noch relevant in Zeiten von Home Office, mobilem Arbeiten und Videokonferenzen?

Hamburg ist für uns ein perfekter Standort, an dem wir schon heute eine Reihe fruchtbarer Kooperationen haben mit Hochschulen, Unternehmen, Start-ups. Ein Beispiel ist der next media accelerator, an dem wir auch beteiligt sind.
Natürlich könnten wir auch virtuelle Teams aufbauen mit Mitgliedern, die über ganz Norddeutschland verteilt sind und digital kommunizieren. Informationen lassen sich so perfekt austauschen. Bei uns geht es aber auch um Kreativität, um weiche Faktoren, um Intuition, um Dinge, die aus informeller Kommunikation entstehen. Das funktioniert nicht virtuell. Deshalb sind wir auch davon überzeugt, dass unsere drei neuen Einheiten Zentralredaktion, Forschung & Entwicklung und Business Development, trotz unterschiedlicher Aufgaben, gemeinsam an einem realen Standort mehr erreichen als nur die Summe ihrer einzelnen Erfolge.

Die Branche fordert die eierlegende Wollmilchsau. Der Printler muss auch Online können, nebenbei Videos schneiden und Fotos retuschieren. In einem Interview mit Turi2 aus dem letzten Jahr sprechen Sie sich klar gegen solche Allrounder aus und fordern Spezialisten. Wie wirkt sich das auf die sh:z-Nachwuchsarbeit aus?

Printjournalismus ist viel zu komplex, um noch nebenbei erfolgreich Digitaljournalismus machen zu können. Digitaljournalismus ist viel zu komplex, um noch erfolgreich nebenbei Printjournalismus machen zu können. In einem immer komplexeren Beruf ist Spezialisierung der Weg zum Erfolg. Davon bin ich fest überzeugt.
Um sich aber zielgerichtet spezialisieren zu können, muss man zunächst das gesamte Berufsbild kennen lernen. Wir bilden deshalb Print und Digital gleichermaßen aus in unserem Volontariat. Und schicken unsere Volontäre berufsbegleitend in den Master-Studiengang „Journalismus und Medienwirtschaft“ an der FH Kiel. Die Kenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge im Journalismus ist aus meiner Sicht für einen erfolgreichen Berufsweg essenziell.

Welche Herausforderungen und Möglichkeiten sehen Sie 2018 für die Medienwelt im Allgemeinen und Lokaljournalismus im Speziellen?

Wir müssen lernen, mit Daten umzugehen. Wir sollten es begrüßen, dass Algorithmen auch im Journalismus Dinge besser können als Menschen. Wir haben dann nämlich mehr Zeit für andere, kreative Dinge. Und wir sollten als Branche radikal den Fokus ändern vom Beschäftigen mit unseren eigenen vermeintlichen Problemen. Wir sollten uns viel mehr mit den Bedürfnissen der Menschen da draußen auseinandersetzen.
Bei Letzterem sind wir im Lokaljournalismus oft schon sehr gut.

Wenn euer Interesse nun geweckt ist und ihr Teil des sh:z-Teams werden wollt: Die Kollegen suchen derzeit Verstärkung.