Zu Gast beim newTV Kongress: Kai Wiesinger über Phantomfilm, künstlerische Freiheit & Streaming-Angebote

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Am 22. März ist Kai Wiesinger zu Gast beim newTV Kongress, wo er mit Tac Romey (Phantomfilm), Hala Baviere (STUDIO+) und Wolfgang Elsäßer (Telekom) über innovative Content-Formate und passende Plattformen diskutieren wird. nextMedia.Hamburg hat im Vorfeld des größten Bewegtbild-Kongresses Hamburgs mit dem Creator, Writer und Director gesprochen.

Seit 2016 arbeiten sie eng mit Phantomfilm zusammen. Welche neuen Möglichkeiten ergaben sich dadurch für Sie bei der Finanzierung, Produktion und Distribution eines Projekts?

Ich habe seit Langem daran gearbeitet, neue Wege in der Finanzierung zu gehen. Doch viele Jahre hat sich keiner dafür interessiert. Seit es endlich neue Abspielplattformen gibt, können wir endlich auch ganz anders in der Produktion und Distribution denken. Ich habe meine Idee zu unserer Serie „Der Lack ist ab“ von Beginn an dahingehend entwickelt, dass Marken intelligent integriert werden können und wir uns unabhängig von alten Strukturen machen konnten. Ich bin Co-Produzent dieser Serie, aber nicht prinzipiell als Co-Producer bei Phantomfilm, sondern weiterhin frei in der Entwicklung meiner Projekte.

Als Creator, Writer und Director haben Sie in Ihrer Webserie „Der Lack ist ab“ vor und hinter der Kamera gearbeitet. Ist dies eine Freiheit, die Ihnen VoD im Speziellen ermöglicht oder wäre diese Doppelrolle für Sie auch im klassischen Fernsehen möglich gewesen?

Als ich das Projekt entwickelt habe, war es im klassischen Fernsehen absolut undenkbar so zu arbeiten. Inzwischen hat sich viel getan und auch dort wird begonnen den Kreativen mehr zu vertrauen und nicht alles von oben kontrollieren zu wollen. Um vielfältige, interessante Unterhaltung entstehen zu lassen, muss man loslassen können, und das ist ein langer Prozess. Als ich Christoph Schneider von Amazon fragte, wird denn mit mir die Drehbücher final abstimmt, antwortete er: „Wenn ich einen Sternekoch ins Haus hole, werde ich ihm doch nicht sagen, wie er würzen soll!“ Das ist eine fantastische Einstellung, die uns Kreativen maximal Freiheit und Vertrauen schenkt und man dadurch zu ganz anderen Ergebnissen kommt, als wenn wir immer das wiederholen müssen, was angeblich auf einem bestimmten Sendeplatz immer gut funktioniert.

Online-Serien erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. Verändert sich mit dem stetig steigenden Streaming-Angebot auch das Sehverhalten der Zuschauer, die die Ausdauer für einen 90-minütigen Film verloren haben?

Das glaube ich nicht. Nach wie vor muss die Geschichte den Zuschauer fesseln. Das kann ein 90-Minüter genauso wie ein Kurzformat. Wir können uns heute entscheiden, wann wir was sehen möchten und da wird sicher ein längeres Format seinen Platz am Abend oder auf einer Reise haben, während eine kurze Unterhaltung an der Bushaltestelle oder auch als Binge Watching jederzeit.

Erst nach einer gewissen Laufzeit gehen große Filmproduktion in den DVD- oder Blu-Ray-Verkauf. Für Produzenten und Filmmacher ein Milliardengeschäft. Werden Filme zuerst über Streaming-Dienste veröffentlicht, fallen wichtige Einnahmen weg. Investment-Manager Gerber Kawasaki sprach in der „Washington Post“ daher von einer Kriegsstimmung in Hollywood gegenüber Netflix. Werden Streaming-Dienste nicht nur das lineare Fernsehen revolutionieren, sondern auch das Ende des Kinos einleiten? 

Meiner Meinung nach nicht. Ich bin überzeugt, dass ganz neue Kooperationen möglich werden, die sowohl dem Kino als auch den Streamingdiensten nutzen. Ich habe in verschiedenen Gesprächen den Eindruck gewonnen, dass wir noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben und oftmals gar nicht von den Bedürfnissen der anderen wissen. Gemeinsam können wir über die verschiedenen Distributionswege hinweg eine sehr erfreuliche Zukunft schaffen, sowohl für die Macher als auch für die Zuschauer.

Am 22. März sind Sie zu Gast beim newTV Kongress in Hamburg und werden dabei Einblicke in ihre Arbeit geben. Welche Tipps haben Sie für junge, innovative Filmschaffende aus Hamburg?

Seid mutig, seid offen für Gedanke, von denen ihr heute noch gar nicht wisst, dass ihr sie morgen denken könntet. Und nie hinten anstellen, sondern immer machen!

Mehr Infos rund um den newTV Kongress findet ihr hier: www.newtv-kongress.de

Phantomfilm, Kai Wiesinger